RICS-Studie: Mehr KI-Nutzung, aber kaum echter Regelbetrieb
Der aktuelle RICS AI in Commercial Property and Construction Report 2026 – laut RICS basierend auf mehr als 3.100 Antworten von Fachleuten weltweit – zeigt eine deutliche Zunahme der KI-Nutzung. Rund zwei Drittel der Baufachleute setzen KI inzwischen in irgendeiner Form ein, gegenüber etwas mehr als der Hälfte im Vorjahr. Im gewerblichen Immobiliensektor berichten sogar über drei Viertel der Befragten von KI-Einsatz. Beide Sektoren weisen denselben Anteil an Früh-Pilot-Projekten auf (39 %), doch im Immobilienbereich gelingt die Überführung in den Regelbetrieb besser: Dort nutzen 29 % KI regelmäßig, im Bau sind es nur 19 %. Nur rund 4 % melden eine weitreichende oder vollständige Integration.
Einordnung für den DACH-Raum: Das Muster ist bekannt – und gilt hierzulande mindestens genauso. Viele Unternehmen haben Piloten gestartet, aber die Brücke zum skalierbaren Einsatz bleibt schmal. Wer jetzt nicht aktiv daran arbeitet, Prozesse, Datenqualität und interne Kompetenzen aufzubauen, wird den Abstand zu frühen Anwendern mittelfristig kaum aufholen. Investitionsabsicht allein reicht nicht: Laut RICS planen 37 % der Baufachleute, ihre KI-Investitionen zu erhöhen – tatsächlich in der Breite angekommen ist KI damit noch lange nicht.
EU AI Act: Transparenzpflichten gelten – viele Unternehmen sind nicht vorbereitet
Seit dem 2. August 2026 sind die Transparenzpflichten nach Artikel 50 des EU AI Act in Kraft. Unternehmen müssen seither in bestimmten Fällen den Einsatz von KI kennzeichnen – etwa bei Chatbots oder KI-generierten Inhalten. Für Hochrisiko-Systeme, die im Bau- und Immobilienbereich besonders relevant sind – darunter automatisierte Personalentscheidungen oder sicherheitsrelevante Infrastruktur – gelten die strengeren Pflichten gestaffelt erst ab Dezember 2027 beziehungsweise August 2028. Bei Verstößen drohen laut geltender Verordnung Strafen von bis zu 35 Millionen Euro oder sieben Prozent des weltweiten Jahresumsatzes.
Besonders aufschlussreich: Eine aktuelle Umfrage des Beratungsunternehmens Pom+ unter 86 Entscheidern in der Immobilienwirtschaft zeigt, dass jede dritte Führungskraft die Anforderungen der neuen Regulatorik nicht kennt. Erschwerend kommt hinzu, dass viele Unternehmen KI gar nicht aktiv einführen – sie erhalten sie über eingekaufte Drittsoftware, ohne es zu wissen. Einordnung: Für Planungsbüros, Bauunternehmen und Projektentwickler im DACH-Raum bedeutet das: Eine systematische Bestandsaufnahme aller eingesetzten KI-Systeme – einschließlich Software von Drittanbietern – ist jetzt keine Kür, sondern Pflicht. Wer das verschleppt, riskiert nicht nur Bußgelder, sondern auch Reputationsschäden.
Houzz-Studie: KI spart Baufirmen messbar Zeit – doch die USA führen
Die Plattform Houzz hat Anfang September ihren 2026 State of AI in Construction and Design Report veröffentlicht (nach Herstellerangaben, Umfrage unter 601 US-amerikanischen Bau- und Designunternehmen, durchgeführt Juni–Juli 2026). Demnach nutzen 41 % der Unternehmen KI bereits für alltägliche Geschäftsaufgaben – ein Anstieg von sieben Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr. Unter den aktiven Nutzern berichten mehr als die Hälfte (52 %), mindestens drei Stunden pro Woche einzusparen. Besonders häufig wird KI für Angebotserstellung und Projektmanagement genutzt, gefolgt von Planung und Design. Die am häufigsten genannten Anwendungen im Projektbereich sind Kalkulation und Angebotsunterlagen.
Einordnung für den DACH-Raum: Die Studie bezieht sich ausschließlich auf den US-Markt und ist nicht direkt übertragbar. Sie liefert jedoch plausible Größenordnungen für Produktivitätsgewinne, die auch hiesige Unternehmen einkalkulieren können – vorausgesetzt, die genutzten Tools passen tatsächlich zu den eigenen Prozessen. Besonders mittelständische Bau- und Planungsbüros sollten prüfen, wo repetitive Aufgaben wie Angebotserstellung oder Baudokumentation heute noch vollständig manuell ablaufen.